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Zweitwein

Der Begriff Zweitwein stammt ursprünglich aus dem französischen Weinbaugebiet des Bordelais. Nahezu alle großen Weingüter dort bringen neben ihren Grand Vins solche Zweitweine mit einem anderen Namen auf den Markt. Meist stammen die Trauben von jungen Reben oder sie waren bei der Lese nicht ganz ausgereift, so dass sie für den Erstwein nicht in Frage kommen. Oder es handelt sich um Überschuss, der zwar qualitativ überragend ist, aber für den Grand Vin nicht mehr benötigt wird.

Ein Zweitwein ist keineswegs von minderer Qualität

Das Prozedere verläuft im Grunde ähnlich wie bei den Erstweinen. Die Trauben werden nach der Lese sortenrein und nach Parzellen getrennt ausgebaut sowie in eigenen Gärbottichen vinifiziert. So entwickelt jeder Wein seine eigene Persönlichkeit. Die Assemblage wird nach etwa vier Monaten bestimmt. Über die Zusammensetzung der Cuvée entscheidet in der Regel ein Team aus mehreren Fachleuten. Dabei wird viel probiert und gerechnet. Es geht darum, den optimalen Weinmix aus den vorhandenen Grundweinen zusammenzustellen und gleichzeitig den maximalen Umsatz aus allen unterschiedlichen Partien zu erzielen.

Alle Weine, die nicht in den Erstwein eingehen, bilden dann die Auswahl für den "second vin", bei dem genauso verfahren wird. Auch der endgültige Ausbau im Barrique wird mit der gleichen Sorgfalt betrieben. Die Zweitweine der ganz großen Châteaux im Bordelais sind deutlich günstiger als die Erstweine, gleichzeitig aber trotzdem häufig um Klassen besser als niedriger klassifizierte Weine von anderen Gütern der Region.

Zweitwein als erschwingliche Einführung in die Top-Liga

Für Einsteiger in die Welt der großen Tropfen sind Zweitweine eine gute Möglichkeit, Spitzenweine zu einem relativ günstigen Preis zu verkosten. Bei den fünf Premiers Grand Crus des Bordelais kann man davon ausgehen, dass der Erstwein mindestens doppelt, teilweise auch viermal so teuer ist wie sein "kleiner Bruder". Die meisten Zweitweine im Handel stammen weiterhin aus Frankreich, mittlerweile hat sich dieses Verfahren aber auch in anderen Ländern wie Italien oder Spanien etabliert.