Über den Dächern von Krems und Stein – der Lesehof Stagård

Mächtig steil geht es hinauf, hier in Krems und Stein an der Donau. Die Natur ist kraftvoll, authentisch, charakterstark. Die Hänge sind gepflastert mit Wildwiesen, Laubbäumen und reihenweise Weingärten, wo einstmals Mönche Marillen hochzogen. Und hoch oben, auf einer hölzernen Bank mit hölzernem Tisch, überschaut Urban Stagård sein Gut. Mit einem Glas Riesling in der Hand und Naturverbundenheit im Herzen lässt es sich hier oben gut aushalten – und noch besser in eine üppig grüne Zukunft schauen.

Urban Stagård mitten im Weingarten

Der Lesehof Stagård gilt mit seinen circa 4,5 Hektar Rebfläche im Kremstal als eine der ältesten Weinkellereien. Seit 1.000 Jahren besteht das Gemäuer des alten Kellers, wobei die beständigen Steine nicht sofort als Teil der Weinproduktion galten. Spätestens ab 1786 ist der Weinbau am Lesehof belegt, als Urbans Familie den Lesehof übernahm. Und mit ihm eine Verantwortung – den Wein aus Krems und Stein an der Donau in alle Richtungen zu Ruhm zu führen.

Hauptsächlich ging es seitdem in eine Richtung: nach oben. Die Weine aus dem Lesehof Stagård sind die höchstbewerteten im Kremstal. Zumindest behaupten dies Robert Parker und Falstaff, die die knackigen Weinen mit noch knackigeren 94 Punkten und mehr in die Höhe preisen. Woran das liegt? Tradition, ein klares Verständnis für Boden und Flora und ein klein wenig Verrücktheit.  

Me, my Riesling and i – die Leitsorte auf dem Lesehof Stagård

Bio seit jeher

Das Kremstal – und Österreich im besonderen – steht für Grünen Veltliner. Was liegt da näher, als Riesling anzubauen. Klar, die am dritthäufigsten angebaute Rebsorte des Kremstal fühlt sich hier bestens aufgehoben. Doch es bedarf schon etwas Fingerspitzengefühl, sowohl bei den Reben wie auch im gesamten Weingarten. Der Lesehof ist seit jeher dem biologischen Anbau zugetan. Der Boden wird beobachtet, gelesen und verstanden. Bruchstellen, Durchwurzelungen und Getier kennen Urban Stagård und seine Familie genau. Begrünungspflanzen sorgen dafür, dass es Insekten an nichts fehlt. Sie danken es, indem Sie den Boden aufwerten. Das ist Teamwork auf biologischer Ebene, das ist die Grundlage für besten veganen Wein. Es sind die Kleinigkeiten, die Urbans Weine besonders machen. So werden die Triebspitzen der Weinreben zum Beispiel nicht mit martialisch aussehenden Heckenscheren auf schweren Traktoren abgeschnitten, sondern liebevoll um den obersten Draht gewickelt. So bekommt die Pflanze weniger Stress, sorgt sich nicht um ihre Triebe und steckt so mehr Kraft in die Trauben. Klar bedeutet diese Betreuung auch viel mehr Aufwand, denn gewickelt wird nun mal mit der Hand.

Grüner wird’s nicht – Grünbepflanzung zwischen den Weinreben

Uralter Keller, frische Weine

Die Tradition bei Stagård heißt spontan sein. Denn künstlich gezüchtete Hefen kommen hier nicht in den Keller. Es wird spontan vergoren und geduldig gearbeitet. Die durchaus risikobehaftete (für den Erfolg, nicht nur den Menschen) spontane Gärung zahlt sich jedoch meist aus. Genau wie die geringfügigen Interventionen, während der Wein auf der Feinhefe liegt. Wohlstrukturiert und charakterstark ist so ein Bio-Wein aus dem Lesehof Keller, eben authentisch zum Terroir des Kremstals. Davon erzählen die Weine, vom Land und den Reben, von Tradition und Bewusstsein, von den besten Lagen mit dubiosen Namen.

750 Liter Steinzeug für die besten Trauben aus den besten Lagen – wie der Steinzeug Riesling von Stagård

Trotz Bio-Zertifikat: Im Kremstal essen sie Hunde   

Was sich wie eine reißerische Schlagzeile aus der Kronenzeitung anhört, ist nur ein Verweis auf die doch etwas eigenen Namen der Lagen und deren Ursprünge. Der “Steiner Hund” zum Beispiel ist geprägt von einem Tauschgeschäft während einer Hungersnot vergangener Tage. Der Deal: Ein Weingarten gegen einen Hund. Der Grund: Besser Hund als gar nichts zu essen. Die Lage “Steiner Schreck” verdankt ihren Namen den Turmwächtern, die Beerendieben mit großem Gebrüll einen Schrecken machten. Woher die Namen auch kommen mögen, die mineralischen Löß- und Schieferböden machen die Terrassen auf den steinigen Hängen zum idealen Anbaugebiet für frisch-spritzigen Wein.       

Die Lagen des Lesehof Stagård bei Krems und Stein an der Donau
Die Terrassen schlängeln sich den Weinberg hinauf

Die Weine wie der Winzer: modern, traditionell und verrückt

Riesling Weißweine sind das Steckenpferd des Lesehof Stagård. Daneben wachsen vor Ort natürlich auch Grüner Veltliner, Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Zweigelt als einzigste rote Rebsorte, jedoch nur für die Vinifizierung als Rosé. 

Alle Weine vegan, alle das Ergebnis ungebrochener Natur auf steilen Hängen, grüner Weingärten und arbeitsamer Insekten und dem Verständnis dies in Perfektion in die Flaschen zu bekommen. Der von der Sonne durchflutete Riesling in der Hand von Urban Stagård beweist es – diesen Moment hat man sich verdient.

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