Die Wiege des Weinbaus

Georgien – Ein Land welches viele Geheimnisse im Verborgenen hält und die eine oder andere Assoziation zulässt. Was verbindet man mit diesem Land? Zuletzt leider nicht allzu viel Gutes, denn die Schlagzeilen der letzten zehn Jahre drehten sich um die weniger schönen Seiten des Lebens – Teile des Landes wurden von Krieg und Verwüstung heimgesucht. Zuvor wurde das Land als Rumpfstaat der Sowjetunion als Südfruchtproduzent und Erholungsziel genutzt. In diese Zeit fallen auch die Rodungen großer Flächen alter Rebzeilen und die Neubestockung mit zu Sowjetzeiten “lohnenderen” Rebsorten. Diesen Flurbereinigungen in Masse fielen autochthone Rebsorten zum Opfer, die nunmehr noch in Fragmenten vorhanden sind. Doch Georgien hat viel mehr zu bieten als Stalin und den Kaukasuskonflikt von 2008, denn das Land ist für jeden Weinliebhaber nicht hoch genug zu schätzen. Faktisch gäbe es den hochfeinen Rebsaft nicht, wenn die Landmasse zwischen Kaspischen und Schwarzen Meer nicht vorhanden wäre.
Rebzeilen des Chateau Mukhrani
Wie alles begann – der vorbiblische Rebsaft

Vor nicht weniger als 5000 Jahren wurden hier die ersten Trauben in von Hand getöpferten Tonamphoren aufbewahrt. Dies ist verifiziert, da man in der Nähe vom westgeorgischen Wani Kerne der Rebsorte Rkaziteli gefunden hat, welche sich in derlei Gefäßen befanden. Doch wieso bewahrt man Trauben der Art Edle Weinrebe (Vinis vinifera susp. vinifera) in einer Amphore aus Ton auf? Eine Frucht, die dank ihrer Grundvoraussetzungen aus perfektem Verhältnis von Wasser, Zucker, Aromen und natürlich auf der Traubenschale vorkommenden Hefen eine hervorragende Basis für die Herstellung von Wein ist? Es benötigt nicht viel detektivisches Gespür um zu erahnen, dass das alte Kolchis (der westliche Teil Georgiens, welcher die gesamte Schwarzmeerküste abdeckt) die Wiege der antiken Weinbereitung sein muss. Das Land, in dem Jason und die Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies waren, ist auf der Schwelle zwischen Bronze- und Eisenzeit Weinexporteur gewesen. Von Georgien aus wurde die Weinrebe dank der hervorragenden geografischen Lage in Asien, Europa und Nordafrika verbreitet und mir ihr die Bereitung des Weins.

Die Welt schreitet voran und Georgien bleibt stehen

Doch währende in den letzten Jahrhunderten der Rest der Welt Qualitätsweinzentren in Europa herausbilden konnten und sogar Weinländer, wie Australien, Südafrika, Argentinien, Neuseeland und die USA hervorragende und prägende Weine hervorgebracht haben, ist es doch recht still um das Geburtsland des Weins geworden. Einige Weingüter Georgiens haben sich das Ziel gesetzt dies zu ändern. In der Fachwelt erregen oxidative, an Sherry erinnernde, in Amphoren vergoren und ausgebaute Weine Aufmerksamkeit. Doch deren Verfügbarkeit ist aufgrund der geringen Menge noch nicht in der Breite vorhanden – zumal deren sehr spezieller Charakter nicht für den Gaumen des konventionellen Genießers gemacht ist.

Wein in Georgien – Gegenwart und Zukunft

Weingüter, wie Château Mukhrani steuern hier seit den frühen 2000er Jahren entgegen. Die Verbindung aus alten, georgischen Rebsorten und den Produktionsweisen des westlichen Stils geben uns die Gelegenheit mit Genuss an der Oberfläche der Entstehung des Weins zu kratzen. Ein sehr angenehmer Kompromiss, wie ich finde. Wenn man danach Lust verspürt, einen Schritt weiter in Richtung Naturwein zu gehen, dann sind zuerst minimalinvasiv produzierte Weine aus Europa zu empfehlen – bekannte Rebsorten, welche auf unbekannte Art vinifiziert wurden. Für diejenigen, welchen diese Art der Weine noch nicht speziell genug ist, steht die Welt der Amphorenweine offen, von der wir in naher Zukunft hier noch mehr erfahren werden. Das Resümee aus 5000 Jahre Weinbau ist einfach: Wein war spannend, Wein ist spannend und Wein wird immer spannend bleiben, denn er entwickelt sich und weist immer neue Facetten auf.

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