Wie gut schmeckt veganer Wein?

Wenn tierische Bestandteile im Wein versteckt sind, ist es für strenge Veganer aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, den alkoholischen Rebensaft zu trinken. Eine attraktive Nische für verschiedene Jungwinzer also, die auf den Ernährungswandel „vegan“ zeitnah reagiert haben und nun auch veganen Wein, d.h. Wein ohne tierische Essenzen, anbieten.

Eine noch unbekannte Nische im Markt

regionale-produkteGern trinke ich zu besonderen Anlässen, wie zu Geburtstagen, Feiertagen oder Jubiläen ein Glas Sekt oder genieße einen guten Wein zu einem festlichen Essen. Da ich seit vielen Jahren vegetarisch lebe und seit einigen Monaten versuche die vegane Lebensweise nach und nach in meinen Ernährungsalltag zu integrieren, kenne ich mich mit diesem Lebensstil aus und weiß über viele Alternativen bescheid: Statt Kuhmilch verwende ich Reismilch, statt der herkömmlichen Käsescheibe streiche ich mit Genuss eine reife Avocado auf mein Brot und zum Abendessen landet lieber eine Kohlrabischnitzel in meiner Pfanne.

Doch ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir noch nie Gedanken über tierische Bestandteile in Wein, Schnaps & Co. gemacht habe. Den Weltvegan-Tag am 01.11.2015 nahm ich mir zum Anlass mich mit diesem doch noch sehr unbekannten Thema auseinander zu setzen.

Tierische Stoffe für das Klären und Schönen von Wein

Von meinen Großeltern kenne ich noch Geschichten, die darüber berichten, dass man früher in mediterranen Ländern Weine mit Stierblut gemischt hat. Mittlerweile ist diese Methode jedoch in Europa und den USA verboten. Dennoch kommt es bei der herkömmlichen Weinproduktion zur Verwendung von anderen tierischen Zusatzstoffen.

Direkt nachdem die Trauben gepresst wurden, erscheint der Wein wie naturtrüber Apfelsaft. Viele Verbraucher assoziieren mit dieser Optik eine schlechtere Qualität, so dass die meisten Produzenten zu einer Klärung des Traubensaftes greifen.

Häufig werden diese tierischen Bestandteile genutzt:

  • Kasein oder Casein, das aus frischer, pasteurisierter Milch hergestellt wird und Trübstoffe bindet
  • frisches oder getrocknetes Hühnereiweiß, welches häufig bei Rotweinen zum Einsatz kommt und mit den Gerbstoffen im Wein einen feinkörnigen Niederschlag bildet, der dann später durch Filtration entfernt wird
  • Schweinegelatine oder getrocknete Fischschwimmblasen (Hausenblase), die alle gröberen Artikel im Wein binden und zu Boden sinken lassen

Alternative Herstellungsmethoden

veganer-wein-im-anbauJedoch werden natürlich nicht alle Weine mit diesen Methoden gekeltert. Innovative Weingüter wie Philipp Kuhn, Lergenmüller oder Lukas Krauß setzen bei der Herstellung ihrer Weine auch auf veganer- und tierfreundlichere Alternativen. Möglichkeiten für die Klärung und Schönung des Weins gibt es zum Beispiel beim Einsatz von:

  • Betonit, eine natürliche Mineralerde, und das sicherste vegane Mittel zur Verhinderung einer Eiweißtrübung im Wein
  • Aktivkohle, die zur Beseitigung von Farb-, Geruchs- und Geschmacksfehlern eingesetzt wird und ein schonendes und qualitätsförderndes Verfahren zur Mostklärung darstellt
  • Vegetabile Gelatine

Vorurteile über veganen Wein

Mir scheint es so, als wären die Akzeptanz und das Wissen um veganen Wein noch genauso gering, wie die Nachfrage und der Markt für diese Art des Rebensaftes. Wenn ich an die Diskussionen über Weinflaschen mit Naturkorken und Schraubverschlüssen denke, so kann ich mir auch die Gesichter der konservativen Weintrinker an der Festtafel vorstellen. Denn natürlich fragt man sich, ob der vegane Weinanbau eine Auswirkung auf Geschmack oder Aroma hat, wenn man nicht den direkten Vergleich und sich nicht mit der Produktion und den Alternativen beschäftigt hat.

Doch diese Bedenken sind alle nicht gerechtfertigt!

Die veganen Möglichkeiten einen Wein zu klären oder zu schönen, wirken sich in keiner Weise auf die Qualität des Weines aus. Bei einer Blindverkostung bin ich mir sicher, dass man nicht herausfinden könnte, welcher Wein vegan ist und welcher nicht. Dafür ist die Menge an tierischen Stoffen im herkömmlichen Wein auch viel zu gering. Deswegen kann ich für meine zukünftige 100%ige vegane Lebensweise definitiv auch im Weinsegment grünes Licht geben!

Das Erkennungsmerkmal für vegane Weine

Mein Tipp zum Schluss, für alle die auf vegane Weine achten wollen. Seit Mitte des Jahres 2012 sind Weingüter in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, beispielweise Albumin aus Hühnerei oder Kasein aus Kuhmilch auf Ihren Weinetiketten auszuweisen; jedoch nur, wenn sie noch im Endprodukt enthalten sind. Werden diese tierischen Stoffe während des Produktionsprozesses entfernt, besteht keine Deklarationspflicht mehr. Streng genommen ist hier der Wein jedoch nicht mehr vegan!

In erster Linie empfehle ich einen näheren Blick auf das Etikett. Weingüter haben die Möglichkeit ihren veganen Wein von dem „V-Label“ kontrollieren zu lassen. Das Siegel beachtet dabei die Inhaltsstoffe der Getränke, sowie die Verarbeitungshilfstoffe. Befindet sich kein derartiges Siegel auf der Weinflasche, so kann die direkte Nachfrage beim Händler bzw. Hersteller Klarheit schaffen.

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