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Amarone

Der Amarone zählt - neben dem Barolo und dem Brunello di Montalcino - zu den drei berühmtesten und größten DOCG-Rotweinen Italiens. Gekeltert wird er aus getrockneten Trauben, was zu hohen Konzentrationen der Wein-Inhaltsstoffe und sehr intensiven Aroma-Kombinationen führt.
Durch seine sehr komplexe Struktur verfügt der Amarone über ein exzellentes Reife- und Lagerpotenzial.

Viele Weinexperten betrachten den Amarone als den ausgefallensten Spitzenwein Italiens. Er stammt aus der italienischen Weinregion Valpolicella Classico in Venetien und ist eine trocken ausgebaute Variante des süßen Recioto - einem weiteren DOCG-Wein der Region, der ebenfalls aus getrockneten Trauben produziert wird. Für die Erzeugung der beiden Weine finden die Trauben verschiedener Rebsorten Verwendung, im Einzelnen handelt es sich dabei um die Reben Corvina, Corvinone Veronese, Molinara und Rondinella.

Was bedeutet der DOCG-Status italienischer Weine?

DOCG ist das Kürzel für \"Denominazione di Origine Controllata e Garantita\". Die Herkunft von DOCG-Weinen wird durch den italienischen Staat kontrolliert und garantiert. Im Hinblick auf ihre Qualität stehen sie über den DOC-Weinen (\"Denominazione di Origine Controllata\" - Wein aus kontrolliertem Anbau) und besetzen in der italienischen Weinwirtschaft damit das Premium-Segment. Die Flaschenabfüllung von DOCG-Weinen muss in ihrem Anbaugebiet erfolgen, ein Tanktransport vor der Abfüllung ist explizit verboten. Der DOGC-Status wird durch entsprechende Banderolen ausgewiesen.
Als DOGC-Produkte gelten in Italien derzeit 70 Weine. In der Weinregion Venetien besitzen neben dem Amarone und drei Recioto-Varianten noch neun andere Weine diesen Status.

Die Geburtsstunde des Amarone - ein Fehler bei der Recioto-Produktion

Die Herstellung des Amarone beginnt mit der Traubentrocknung - das sogenannte \"Appassimento\" dauert bis zu 120 Tagen. Ursprünglich wurde es nur in besonders guten Jahren praktiziert, um den Recioto - die ultimative Wein-Delikatesse der Valpolicella-Region zu erzeugen. Der alkoholreiche Recioto hat ähnlich wie Portwein ein fruchtig-liebliches Aroma - anders als bei Portwein wird dem Recioto jedoch kein Zucker zugesetzt, um die Süße zu halten und den Gärungsprozess zu stoppen. Seine Süße gewinnt er durch die immense Zuckerkonzentration, die aus der Trocknung der Trauben resultiert. Der Amarone ist ursprünglich durch einen Fehler bei der Recioto-Produktion entstanden. Auf einem Lieferschein wurde er erstmals im Jahr 1938 erwähnt, das älteste als solches deklarierte Amarone-Fass stammt aus dem Jahr 1940. Die ersten Gutsabfüllungen von Amarone erfolgten seit 1953.

Die Vermarktung von Amarone - zuerst in Kanada

In den 1930er Jahren setzte in der größten Weinbau-Genossenschaft der Valpolicella Classico bei einem Fass Recioto der Gärungsprozess wieder ein - der Zuckergehalt des Weines wurde hierdurch auf wenige Gramm Restzucker reduziert. Zwar hatten die Winzer mit solchen Zwischenfällen bereits Erfahrung, normalerweise wurden durch die unerwünschte Gärung jedoch nur kleine Mengen Wein verdorben. Diesmal war jedoch ein Fass mit mehreren tausend Litern Inhalt davon betroffen - statt des süßen Recioto war ein ultraschwerer, fast trockener Rotwein mit einem Alkoholgehalt von 15 bis 16 Prozent entstanden. Für verdorbenen Recioto hatte sich schon früher die Bezeichnung \"Recioto amaro\" - bitterer Süßwein - eingebürgert. Der neue Rotwein erhielt deshalb den Namen Amarone und sollte möglichst auch vermarktet werden. Einen Markt für ihr Produkt fanden die Valpolicella-Winzer schließlich in Kanada, wo er vor allem bei der großen italienischen Exilgemeinde von Anfang an heiß begehrt war.

Weichere, ausgewogenere Amarones - durch ein modifiziertes Herstellungsverfahren

Auch viele Weinkenner haben mit einem Amarone zumindest anfangs ihre Schwierigkeiten. Dieser Wein ist schwer und wuchtig, gerbstoffreich und im Nachhall gleichzeitig süß und bitter. Nach der Gärung werden Amarones mindestens zwei, oft jedoch auch bis zu sechs Jahren in Eichenfässern ausgebaut. In der Flasche sind sie zum Teil über Jahrzehnte lagerfähig. Gute Amarones besitzen eine cremige Textur und komplexe Aromen, in denen Frucht-, Gewürz-, Tabak- oder Schokoladentöne zum Tragen kommen. Minderwertige Qualitäten sind dagegen stark tannin- und alkoholbetont.

Vor allem die junge Generation der Amarone-Produzenten hat sich inzwischen für eine Modifikation des Herstellungsverfahrens entschieden: Die Beeren stehen vor dem Beginn der alkoholischen Gärung für einige Zeit im eigenen Saft, ihre Aromen werden dabei schonend und vorsichtig extrahiert. Auf stärkere physikalische Bewegungen der Maische während des Gärprozesses wird verzichtet und der Wein in Fässern aus slowenischer Eiche ausgebaut, die kaum Vanillearomen abgeben und bis zu 5.000 Litern fassen. So erzeugte Amarones zeigen eine höhere Fruchtintensität und eine feinere Tannin-Struktur. Zwar sind sie ebenfalls komplex und würzig, wirken jedoch weicher, voller und ausgewogener als traditionell hergestellter Amarone.