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Beerenauslese

Beerenauslesen sind seltene, aufwändig produzierte Weinspezialitäten. Ihre charakteristischen Merkmale sind ihre reiche, natürliche Süße sowie feine Honignoten bei niedrigem Alkoholgehalt. Oft zeigen Beerenauslesen eine tiefgoldene Farbe mit Assoziationen zu reifem Honig oder Bernstein. Bei guter Lagerung können sie in der Flasche noch über Jahrzehnte reifen.

In Deutschland und Österreich sind Beerenauslesen Prädikatsweine (bis 2007/2008: Qualitätswein mit Prädikat), deren Herstellungs- und Qualitätsstandards durch das Weingesetz geregelt werden.

Die besten Beerenauslesen - aus Scheurebe und Riesling

Beerenauslesen werden aus voll- bis überreifen, edelfaulen und ausschließlich handverlesenen Weinbeeren gekeltert. Eine maschinelle Lese ist für Beerenauslesen und die noch höherwertigeren Trockenbeerenauslesen explizit verboten. Die Edelfäule - der Befall der Trauben an der Rebe mit dem Schimmelpilz Botrytis cinerea - ist im deutschen und österreichischen Weinrecht nicht zwingend vorgeschrieben, jedoch verleiht erst Botrytis cinerea diesen Weinen ihren spezifischen Charakter. Die besten Beerenauslesen werden aus den Rebsorten Scheurebe und Riesling hergestellt - bei diesen Weinen korrespondieren ein hoher Säuregehalt und eine konzentrierte Süße auf besonders komplexe Art und Weise.

Manuelle Lese, Gärung ohne Zuckerzusatz

Das manuelle Lesen der Beeren muss sehr exakt erfolgen, damit nur tatsächlich geeignete Beeren in den Produktionsprozess gelangen. Selbst von einer Traube werden dafür in der Regel nicht alle Beeren ausgewählt. Auch das Wetter spielt bei der Lese dieses Weinguts eine Rolle: Optimal sind Wetterlagen, in denen Frühnebel die Ausbildung der Edelfäule fördern, die Tage jedoch für das Trocknen der Beeren noch warm genug sind. Durch die Wechselwirkung von Edelfäule und Verdunstung/Trocknung steigt die Konzentration der Inhaltsstoffe in den Beeren an, außerdem entwickeln sich durch den Einfluss von Botrytis cinerea spezifische Aromen. Vor, während und nach der Gärung darf kein Zusatz von Zucker erfolgen, um den Süßegrad und damit auch den Alkoholgehalt des Weins zu steigern. Eine Erhöhung der Restsüße durch Traubenmost mindestens gleicher oder höherer Qualität (von Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen) ist durch das Weingesetz erlaubt. Auch die Herstellung von Beerenauslesen als Eiswein ist erlaubt: Als Eiswein gelten Prädikatsweine aus überreifen Beeren, deren Lese und Pressung bei Temperaturen von - 8 Grad erfolgt. In der Regel sind sie nicht von Botrytis cinerea befallen.

Hohe Mostgewichte und lange Gärungszeiten

Je nach Weinbauregion muss das Mostgewicht für Beerenauslesen zwischen 110 und 128 Grad Oechsle erreichen. In Deutschland finden für diese Weine nur Beeren mit einem Mostgewicht von mindestens 125 Grad Oechsle Verwendung, im Weinanbaugebiet Baden liegen die Mindestanforderungen je nach Rebsorte bei 127 bis 128 Grad Oechsle, in Österreich beginnen sie bei 127 Grad Oechsle. (Zum Vergleich: Das Mindestmostgewicht von Trockenbeerenauslesen muss mindestens 150 Grad Oechsle betragen). Durch die hohen Mostgewichte sind relativ lange Gärungszeiten nötig. Der Ausbau erfolgt im Barrique-Fass, aber auch in Stahltanks. Ihr endgültiges Profil erreichen hochwertige Beerenauslesen erst während einer längeren Zeit der Flaschenreifung.

Spitzenqualitäten aus Deutschland, Österreich und Frankreich

Einige der besten Beerenauslesen kommen von der Mosel, der Nahe, aus dem Rheingau sowie aus der Weinregion um den Neusiedler See in Österreich. Sie gelten als rare internationale Spitzenweine. Das französische Pendant zu den deutschen und österreichischen Beerenauslesen sind hochwertige Dessertweine, die beispielsweise aus der Weinregion Sauternes im Bordeaux oder aus dem Elsass stammen.