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Bocksbeutel

Der Bocksbeutel ist eine Flaschenform und typisch für den Frankenwein. Die Form der Flasche kommt einem flachen Ellipsoid recht nahe, ihr Inhalt beträgt meist 0,75 Liter. In Deutschland/Franken ist dieser Flaschentyp seit jeher qualitativ hochwertigen Weinen vorbehalten.

Frankenwein in Bocksbeuteln - ein historischer gewachsener Qualitätsausweis

In Franken wird der Bocksbeutel seit dem 18. Jahrhundert für die Weinabfüllung verwendet. Anfangs kam nur der \"Würzburger Stein\" - seinerzeit der beste und angesehenste Wein aus der Region - in diesen Flaschen auf den Markt, später wurden auch andere Frankenweine in Bocksbeuteln gehandelt. So entschied der Stadtrat von Würzburg im Jahr 1728, dass die besten Weine des Bürgerspitals der Stadt eine solche Abfüllung erhalten sollten.

Historisch ist die Flaschenform schon deutlich länger in Gebrauch, vermutlich standen dafür die Feldflaschen der Soldaten Pate. An der Wortherkunft ihrer Bezeichnung scheiden sich die Geister: Die Annahmen reichen vom niederdeutschen \"Booksbüdel\" - einem schon vor der Reformation gebräuchlichen Überzug für Gesangs- und andere Bücher - bis zum Hodensack von Ziegenböcken.

Hohe Qualitätsstandards, jedoch kein Markenschutz in der EU

Weine, die in Bocksbeuteln vermarktet werden, müssen hohe Qualitätskriterien erfüllen. Beispielsweise beträgt ihr Mindestmostgewicht mindestens 72 Grad Oechsle und liegt damit leicht über der Vorgabe von 72 Grad Oechsle für deutschen Qualitätswein. Seit 2009 müssen sie nach deutschem Weinrecht bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung mindestens 2,0 Punkte erreichen.

In der EU genießt der Bocksbeutel allerdings keinen Markenschutz, eine entsprechende Regelung des deutschen Weingesetzes wurde durch den Europäischen Gerichtshof 1989 aufgehoben. Weine in Bocksbeuteln kommen heute nicht nur aus Franken, sondern auch aus Portugal und in geringem Umfang aus Italien.