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Frühburgunder

Der Frühburgunder - im Französischen Pinot Noir Précoce - ist eine rote Rebsorte, die durch eine natürliche Mutation der Spätburgunder-Rebe entstanden ist. Bisher ist nicht bekannt, ob dabei auch die Wildrebe und/oder eine weitere Rebsorte beteiligt waren.
 
Ihren Namen erhielt sie, da sie etwa zwei Wochen früher als der Spätburgunder reift. Angebaut wird diese Rebe vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien, aber auch in der Schweiz und Luxemburg. 

Der Frühburgunder - in den 1960er Jahren fast verschwunden

Aus dem deutschen Weinbau war diese Rebsorte Anfang der 1960er Jahre nahezu verschwunden. Damals wurde sie nur noch auf 15 Hektar angebaut. Für ihre Erhaltung sorgten zunächst die Klonzüchtungen des Ingelheimer Weinguts Julius Wasem Rodensteiner Hof. Mitte der 1970er Jahre begann die Weinuniversität mit der gezielten Züchtung und Selektierung.
 
Im Jahr 2009 wurde die Sorte vor allem in Rheinhessen, an der Ahr und in der Pfalz wieder auf insgesamt 256 Hektar Rebfläche angebaut. In die \"Arche des Geschmacks\" der internationalen Slow-Food-Organisation wird sie als regionaltypische und identitätsstiftende Weinsorte gelistet. 

Hochwertige, komplexe Weine mit langen Lagerzeiten

Äußerlich unterscheidet sich diese Rebe kaum vom Spätburgunder. Sie entwickelt relativ kleine, dichtbeerige Trauben. Die Geschmacksstoffe der dunkel- bis violettblauen Beeren sind vor allem in der recht dicken Schale konzentriert. Aufgrund der frühen Reife werden sie kaum von der Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea, Edelfäule) befallen. Frühburgunder ist wenig kälteempfindlich und gedeiht am besten auf tiefgründigen, leicht erwärmbaren Böden mit hohem Kalkgehalt. Gute Lagen bringen oft sehr hochwertige Weine hervor, die so manchen Spätburgunder übertreffen.

Die Weine dieser Rebsorte zeichnen sich durch einen vollen Körper, samtige Texturen, milde Säure sowie komplexe Beeren- und Kirscharomen aus. Daneben kommen auch rauchige Nuancen vor. Ihr volles Profil entfalten sie oft erst nach einer längeren Lagerzeit, die fünf oder - vor allem nach dem Ausbau im Barriquefass - auch mehr als zehn Jahre betragen kann.