A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Grauburgunder

Rebsorte Grauburgunder

Der Grauburgunder - im Französischen Pinot Gris, in Italien Pinot Grigio - ist eine besondere Rebe. Obwohl aus ihr Weißweine gekeltert werden, haben ihre Trauben eine rötliche Färbung - die Farbe ist allerdings nur in der Haut der Beeren und nicht im Fruchtfleisch nachweisbar. Die Grauburgunder-Rebe ist robust und gedeiht auch in kühlen Regionen. In guten Terroirs kann sie zur Grundlage hochwertiger Spitzenweine werden.

In Deutschland gehört der Grauburgunder zu den Klassikern des Weinbaus. Ausgebaut werden die daraus erzeugten Weine im Barrique-Fass, aber auch in Stahltanks. In Baden und der Pfalz haben sich zwei Ausbaumethoden etabliert. Für den traditionellen Ausbau werden sehr reife und zum Teil auch edelfaule Trauben verwendet. Das Resultat ist ein schwerer, süßer Wein, der als "Ruländer" vermarktet wird. Das traditionelle Verfahren wird seit den 1990er Jahren jedoch zunehmend durch den französischen und italienischen Stil mit früher gelesenen und ausschließlich gesunden Trauben verdrängt. Der Trend geht auch in Deutschland eindeutig zum klassischen Grauburgunder mit höherem Säureanteil und oft komplexer Eleganz.

Geschichte und Herkunft

Ihre Wurzeln hat die Grauburgunder-Rebe ebenso wie der Pinot Noir in den Wildreben Westeuropas. Im 14. Jahrhundert ist sie aus dem Burgund und der Champagne zunächst nach Österreich und Ungarn eingewandert. 1568 gelangte sie durch den österreichischen General Lazarus von Schwendi ins Elsass und an den Kaiserstuhl. Als eine führende Rebsorte hat sie sich in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert durchgesetzt: 1711 fand der Kaufmann Johann Seger Ruland in einem verwilderten Garten im pfälzischen Speyer ein Exemplar der ihm bis dahin unbekannten Rebe, erkannte deren Ausbauwert und sorgte für deren Verbreitung in deutschen Winzereien. Für den "Ruländer" wurde er damit zum Namensgeber.

Abstammung und Kreuzungspartner

Die Grauburgunder-Rebe gilt als eine Mutation des Pinot Noir (Blauburgunder), der in fast direkter Linie von einer Wildrebe aus Norden Frankreichs abstammt. Gezielte Kreuzungen und Neuzüchtungen spielen bei dieser Rebe bisher keine Rolle. Der Grauburgunder neigt zu Mutationen, so dass eine Vielzahl von Klonen existiert. Der Trend geht hier zur Züchtung weniger kompakten Klonen als Basis für schlanke und fruchtig-frische Grauburgunder-Weine. Gleichzeitig setzen die diversen Klone im Hinblick auf das Aroma und die Farbgebung des Weins jeweils spezifische Akzente.

Anbaugebiete

Die Grauburgunder-Rebe ist eine der führenden Rebsorten in Deutschland und wächst hier auf einer Anbaufläche von 5.800 Hektar. Sie wird in allen deutschen Weinregionen angebaut, in neun von 13 Anbaugebieten besitzt sie den Status einer Classic-Rebe. Ihre regionalen Schwerpunkte hat sie in Baden (1.636 Hektar), Rheinhessen (1.153 Hektar) und der Pfalz (1.044 Hektar). Weltweit wird Grauburgunder auf einer Fläche von etwa 15.000 Hektar angebaut. Die wichtigsten europäischen Anbauländer sind - neben Deutschland - Frankreich, Italien, Österreich und Ungarn. In Übersee spielt die Grauburgunder-Rebe vor allem in den USA, Australien und Neuseeland eine Rolle.

Ampelografie

Die Triebspitze des Grauburgunders ist weißlich-grün und stark wollig. Das junge Blatt ist hellgrün, mit schwach wolliger Unterseite, leicht bronziert. Das ausgewachsene Blatt ist fünfeckig mit breiten keilförmigen Mittellappen, dunkelgrün mit hellgrünen Nerven, die vereinzelt beborstet sind und Borsten in den Nervenwinkeln tragen. Es ist mittelgroß, rau bis blasig, drei- bis schwach fünflappig und meist nur wenig gebuchtet. Die Stielbucht ist v-förmig, der Blattrand stumpf gezähnt. Die Trauben sind mittelgroß, walzenförmig, je nach Typ mischbeering oder kompakt bis mäßig locker und zum Teil geschultert. Sehr reife Trauben wirken häufig grau. Die Beeren sind rosa bis rotbraun, mittelgroß bis klein, rund bis oval, mit dünner bis mittelstarker Schale. Aufgrund der Mutationsfreudigkeit des Grauburgunders treten vereinzelt Farbabweichungen bei Trauben und Beeren auf.

Erträge

Die Grauburgunder-Rebe ist eine ertragreiche Rebsorte, die optional auch hohe Mostgewichte liefert. Die weniger kompakten und zum Teil ungeschulterten Klone des Grauburgunders erbringen im Vergleich zu seinen traditionellen Klonen etwas geringere Erträge, erzielen bei entsprechendem Anbau jedoch höhere Mostgewichte. Zur Qualitätssteigerung werden in vielen Winzereien die Erträge reduziert.

Ansprüche an Lage und Boden, Terroir

Besonders gut gedeiht die Grauburgunder-Rebe in Lagen mit guter Durchlüftung, reichlicher Wasserversorgung und guter Drainage. Löß- oder Kalkböden sind optimal geeignet. Der halbaufrechte Wuchs begünstigt das Entstehen sogenannter Geiztriebe und Geiztrauben, deren Entfernung für die Erzeugung von Qualitätsweinen unabdingbar ist. Die Rebe ist robust und wenig frostempfindlich, benötigt jedoch ein ausgeglichenes Klima und möglichst eine Südhang-Lage, da sie auf Klimaschwankungen (Hitze/Kälte) empfindlich reagiert. Der Grauburgunder ist wenig krankheitsanfällig. Beim traditionellen Ruländer bereitet Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule) die Trauben zum Teil auf den späteren spezifischen Ausbau vor.

Charakteristik

Der klassische Grauburgunder ist trocken, etwas säurebetont und mittelkräftig, der Ruländer dagegen ein gehaltvoller Wein mit betonter Süße. Typisch ist der Duft nach grünen Nüssen, Mandeln oder frischer Butter. Viele Grauburgunder-Weine haben - mit Noten von Birne, Ananas, Zitrusfrüchten, Rosinen oder Trockenobst - auch frische bis vollmundige Fruchtaromen. Daneben kommen auch vegetative Töne von Paprikaschoten oder grünen Bohnen vor. Je nach Ausbau und Qualität sind Grauburgunder-Weine blassgelb, goldgelb und - in Spitzenqualitäten - zum Teil auch bernsteinfarben.

Synonyme

Für die Rebsorte Grauburgunder existiert eine Vielzahl von Synonymen. Am bekanntesten sind Pinot Gris respektive Pinot Grigio. In der Schweiz wird sie auch als Malvasier oder Malvoisie bezeichnet. In Ungarn heißt sie unter anderem Tokay oder Tokayer, woraus im Elsass später der Tokay d´Alsace wurde. Andere deutschsprachige Bezeichnungen sind Blauer Riesling, Blauer Traminer oder Edel-Klevner.

Speisepaarung

Junge, trockene und leichte Grauburgunder sind ideale Sommerweine. In etwas gehaltvolleren Versionen harmonisieren sie gut mit Fisch und Meeresfrüchten, Pasta, aber auch nicht zu deftigen Fleischgerichten. Fruchtig-süße oder edelsüße Varianten passen zu fettreichem Edelpilzkäse und anderen reichhaltigen Käsen sowie zu Desserts mit Mandeln, Nüssen, Honig oder Marzipan.