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Klon

Klone sind die Nachkommen eines einzelnen Individuums, die durch ungeschlechtliche Vermehrung entstanden sind. Durch das Klonen - bei Pflanzen auch als "vegetative Vermehrung" bezeichnet - entstehen zunächst genetisch völlig identische Kopien einer Ausgangsrebe, die sich durch spontane Mutationen im Lauf der Zeit jedoch verändern.

Klonvielfalt durch spontane Mutationen und gezielte Selektion

Ein Klon im Weinbau ist fast immer eine bereits mutierte Klonvariante, die sich in einzelnen sicht- oder messbaren Merkmalen von der Ausgangspflanze unterscheidet. Viele Rebsorten neigen sehr stark zu spontanen Mutationen, die sich oft als Knospenmutationen zeigen. Später vervielfältigen sie sich durch die vegetative Vermehrung dieser mutierten Triebe.

Im Laufe der Zeit können daraus eigenständige Mutationslinien entstehen. Bei alten und weit verbreiteten Rebsorten haben sich diverse regionale Klone mit jeweils spezifischen Beerenfärbungen und Geschmackseigenschaften entwickelt. Insgesamt ist durch die früher betriebene Massenselektion im Weinbau eine große Klon-Vielfalt entstanden, die sich bei vielen Rebsorten bis in die Gegenwart erhalten hat.

Qualitätssteigerung und Krankheitsresistenz

Klonselektion wird im Weinbau seit Jahrtausenden betrieben. Dabei geht es entweder darum, besonders gute Reben zu erhalten oder Klone mit neuen, optimierten Eigenschaften zu erzeugen. Bis in die 1960er Jahre hinein standen dabei hohe Erträge und hohe Mostgewichte - also ein hoher Alkoholgehalt des Weins - im Vordergrund. Seitdem hat in den Winzereien jedoch ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Das wichtigste Ziel der Klonselektion besteht heute in der Qualitätssteigerung des Weins respektive dem Erreichen festgelegter Qualitätsstandards sowie einer hohen Krankheitsresistenz der Reben. Damit ist oft eine gezielte Ertragsreduktion verbunden: Im Vergleich zu traditionellen Klonen erbringen moderne Klone in der Regel geringere Erträge, was der Qualität des Weins zugutekommt.

Klon-Züchtung - ein amtlich reguliertes Prozedere

Sogenannte Praxis-Klone sind jeweils positiv aufgefallene und bereits selektierte Einzelreben, die in Basisanlagen gepflanzt und über mehrere Jahre im Hinblick auf ihre weinbaulichen Eigenschaften beobachtet werden. Aus diesen Klonen werden schließlich die besten Reben als Ausgangspflanzen für die kommerzielle Massenvermehrung ausgewählt. Aus einer Mutterpflanze können dabei bis zu 50 genetisch identische Abkömmlinge entstehen. Die Zucht von Klonen wird amtlich streng reglementiert und kontrolliert.

Klone für die Produktion von Qualitätswein müssen ebenso wie neue Rebsorten ein offizielles Zulassungsverfahren durchlaufen. Spontane Mutationen im Weinberg spielen für die Klon-Züchtung von Reben dagegen kaum noch eine Rolle. Viele moderne Wirtschaftsanlagen basieren auf einem oder einigen wenigen Sortenklonen - nach etwa 30 Jahren werden sie gerodet und mit neuen Rebstöcken bepflanzt. Die historische Klonvielfalt vieler Reben wird durch diese Praxis allerdings stark eingeschränkt.