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Languedoc-Roussilion

Das Languedoc-Roussilion liegt an der französischen Mittelmeerküste, es ist die größte Weinbauregion des Landes. Sie ist im Jahr 1960 durch den Zusammenschluss der Provinzen Languedoc und Roussilion entstanden und heute in fünf Departements unterteilt. Das frühere Roussilion gehörte bis 1959 zum spanischen Katalonien. Aus den Weingütern des Languedoc-Roussilion kommt eine Vielzahl mediterraner Weine - vom klassischen französischen Landwein bis zum internationalen Spitzenwein.

Zur Geschichte des Weinbaus in der Region

Die Wurzeln des Weinbaus in der Region reichen sehr wahrscheinlich bis in vorantike Zeiten. In ihrem südlichen Teil - dem Roussilion - soll schon die keltische Urbevölkerung damit begonnen haben. Ab dem 8. Jahrhundert B. C. war die Region ein wichtiges Weinbaugebiet der griechischen und römischen Antike. Sicher überliefert ist beispielsweise, dass die Römer in den heutigen Appellationen Corbières und Minervois Wein gekeltert haben. In der maurischen Periode kam der lokale Weinbau nahezu zum Erliegen, seine Revitalisierung wurde nach der Reconquista zunächst vor allem durch christliche Mönchsorden betrieben. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein sollten die Klöster die wichtigsten Weinbau-Zentren bleiben.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts dehnten sich die Rebflächen des heutigen Languedoc-Roussilion immer weiter aus. In den 1980er Jahren beliefen sie sich schließlich auf etwa 400.000 Hektar. Die Winzer der Region galten lange Zeit als Produzenten billiger Massenweine. Inzwischen sind im Rahmen eines EU-Programms vor allem in den tiefer gelegenen Ebenen rund 175.00 Hektar Anbaufläche gerodet worden. Daneben haben auch Ertragsreduktionen zu deutlichen Qualitätsverbesserungen der Weine aus dem Languedoc-Roussilion geführt. Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Massensorte Aramon - eine alte rote Rebe, deren Herkunft bisher umstritten ist - seit der Mitte der 1970er Jahre zunächst vor allem durch die Carignan-Rebe ersetzt. Heute pflanzen die meisten Winzer der Region hochwertige, international anerkannte Reben an, hierzu zählen beispielsweise die weißen Rebsorten Chardonnay, Sauvignon Blanc und Viognier sowie die roten Reben Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah.

Languedoc-Roussilion - die größte zusammenhängende Weinbauregion der Welt

Mit einer Rebfläche von rund 225.000 Hektar ist das Languedoc-Roussilion trotz der Rodungen die größte Weinbauregion der Welt. Im Jahr 2012 wurden hier zwölf Millionen Hektoliter produziert, davon wurden rund 3,4 Millionen Hektoliter Wein mit geschützter Herkunftsbezeichnung (IGP- und AOP-Weine) exportiert. Bemerkenswert ist, dass die Hektarerträge im Languedoc-Roussilion mit 42 Hektolitern inzwischen deutlich unter dem französischen Durchschnitt von 55 Hektar bleiben. Auch der ökologische Weinbau hat sich in der Region heute als feste Größe etabliert. Auf knapp 20.000 Hektar Rebfläche wird Wein im Languedoc-Roussilion heute mit biologischen Methoden angebaut.

Klima und Böden

Das Languedoc-Roussilion erstreckt sich von der französisch-spanischen Grenze über die Carmague-Region bis zur Rhone-Mündung. Die Landschaft - und der Weinbau in der Region - zeigen große Vielfalt, die von Berglagen über die für Südfrankreich typischen Heidelandschaften bis zu unmittelbaren Meereslagen reicht. Prägend ist das mediterrane Klima mit milden, feuchten Wintern und heißen, trockenen Sommern. Eines der größten Probleme für den regionalen Weinbau ist die Sommertrockenheit, die gewöhnlich von Mai bis September dauert. In der Agrarwirtschaft einiger Gebiete werden fast ausschließlich Wein und Oliven angebaut, weil alle anderen landwirtschaftlichen Kulturen großflächige Bewässerung erfordern würden. Im äußersten Westen und Osten der Region wird das mediterrane Klima durch gemäßigtere atlantische und alpine Einflüsse gebrochen. Die Reifezeiten der Trauben verlängern sich hierdurch. Durch den westlichen Tramontana-Wind oder den Mistral des Rhone-Deltas werden die Trauben außerdem in stärkerem Maß getrocknet und vor Pilzbefall geschützt.

Die Bodenstrukturen in der Region sind sehr unterschiedlich und formen jeweils spezifische Terroirs. Typisch für das Languedoc-Roussilion sind beispielsweise Kalk-, Ton-, Gneis-, Schiefer-, Granit-, Sand- oder auch Schwemmlandböden.

Weine mit geschützter geografischer Herkunftsbezeichnung

Die weitaus meisten Weine der Region sind sogenannte IGP-Weine (IGP - Indication Géographique Protégée- die früheren Landweine oder Vins des Pays. Ihre offizielle Herkunftsbezeichnung lautet Pays d´Oc IGP, die meisten von ihren werden als Rebsortenwein vermarktet, müssen also nach französischem und EU-Recht zu mindestens 85 Prozent aus einer Rebsorte gekeltert werden. In den einzelnen Departements des Languedoc-Roussilion gelten vier weitere regionale und über 60 lokale IGPs, die für eine enger gefasste geschützte geografische Herkunft stehen. Für die Produktion von Weinen mit geschützter geografischer Herkunftsbezeichnung sind heute insgesamt 56 Rebsorten zugelassen.

Crus und Grand Crus aus dem Languedoc-Roussilion

Neben den IGP-Weinen bringt die Region inzwischen eine ganze Reihe von Crus und Grand Crus hervor. Mit der AOPLanguedoc verfügt das Languedoc über eine geschützte regionale Herkunftsbezeichnung, die das gesamte Gebiet und etwa 10.000 Hektar Rebfläche umfasst. (AOP - Appellation d´Origine Protégée). Seit 2007 ersetzt sie die AOC Coteaux Languedoc. Zu den wichtigsten Rebsorten der AOP Languedoc gehören Grenache Blanc, Grenache Noir, Cinsault, Carignan und Syrah. Seit dem Jahr 2011 werden die AOP-Weine des Languedoc nach einer dreistufigen Klassifikation bewertet: Der regionalen AOP sind die \"Grand Vins du Languedoc\" sowie die \"Grand Crus du Languedoc\" nachgeordnet. Für die Weine beider Gruppen ist jeweils exakt festgelegt, aus welcher der 20 lokalen AOP-Appellationen und den über 15 Cru-Lagen des Languedoc sie stammen dürfen. Bei den \"Grand Vins\" darf der Hektarertrag die Marke von 48 bis höchstens 50 Hektolitern nicht übersteigen, bei den \"Grand Crus\" liegt die Ertragsgrenze bei maximal 50 Hektoliter für Weißwein und maximal 45 Liter für Rotwein. In einigen Appellationen des Languedoc wird die geschützte Herkunftsbezeichnung durch Terroir-Bezeichnungen ergänzt, ein prominentes Beispiel hierfür sind Weine aus Corbières. Daneben gibt es einige abgegrenzte Cru-Lagen, die in den Klassifikationen nach der geschützten Herkunftsbezeichnung AOP Languedoc erscheinen. Im Roussilion gibt es insgesamt neun AOPs, aus denen ebenfalls trockene Weiß-, Rot- und Roséweine kommen.

Vin Doux Naturels - eine regionale Spezialität

Eine Spezialität der Region sind natürliche Süßweine - die sogenannten Vin Doux Naturels (VDN). Während ihrer Herstellung wird der Gärungsprozess durch die Zugabe von Weingeist abgebrochen, so dass der natürliche Zucker größtenteils erhalten bleibt. Ihr Ausbau erfolgt im Holzfass und in oxidativer Form, also unter dem Einfluss von Sauerstoff. Sowohl im Languedoc als auch im Roussilion sind für ihre Herstellung insgesamt neun eigene AOP-Appellationen zugelassen.