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Laubpflege

Die Laubpflege bezeichnet in der Winzersprache verschiedene Maßnahmen, um das Wachstum von Blättern und Trieben der Rebstöcke zu regulieren. Die Laubpflege soll die Klimaeinflüsse im Weinberg, die Dichte der Laubfläche sowie die Position der Trauben optimieren. Ihr Ziel besteht darin, den Trauben bestmögliche Bedingungen für ihre Reifung, Farbausbildung sowie die Assimilation von Fruchtzucker zu bieten. Oft ist damit das Ziel einer Ertragsreduktion zugunsten höherer Qualität verbunden. Außerdem dient die Laubpflege dazu, verschiedenen Weinkrankheiten - vor allem einem Befall mit Mehltau oder der Graufäule (Botrytis cinerea) - vorzubeugen. Besonders wichtig ist sie im ökologischen Weinbau, da chemische Methoden zur Krankheits- und Schädlingsbekämpfung hier nicht in Frage kommen.

Maßnahmen der Laubpflege im Weinberg 

Ein Blattschnitt oder ein Sommerschnitt am Rebstock

Diese Laubpflege-Arbeit wird während der Reifezeit der Trauben gegebenenfalls mehrmals durchgeführt. Dabei wird eine begrenzte Anzahl der Blätter aus der Wuchszone der Trauben entfernt, um die Luftzirkulation im Weinstock und damit die Trocknung der Trauben nach einer Regenphase zu fördern. Die erste Entblätterung erfolgt etwa zwei bis drei Wochen nach der Blüte. Besonders wichtig ist sie bei dichtlaubigen Rebsorten mit kurzen Trieben, dichtbeerigen, kompakten Trauben und dünnen Beerenschalen - beispielsweise Blauburgunder, Müller-Thurgau oder Gewürztraminer. Der Sommerschnitt verhindert einen (vorzeitigen) Befall der reifenden Trauben mit Botrytis cinerea.

Das Ausgeizen des Rebstocks

Die sogenannten Geiztriebe sind Nebentriebe, die aus den Blattachseln der Haupttriebe des Rebstocks wachsen und auch Trauben tragen können. Bis in die 1970er Jahre hinein wurden die Geiztriebe grundsätzlich entfernt - heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Geiztriebe die Traubenreifung des Haupttriebes fördern können. Entfernt werden sie nur dann, wenn sie zu einer Laubverdichtung in der Traubenzone führen, um den Befall mit Schimmelpilzen zu minimieren.

Ein Rebschnitt am Rebstock

Der Rebschnitt hat wesentlichen Einfluss auf den Ertrag des Rebstocks und der aus ihren Trauben erzeugten Weine. Er gewährleistet die Balance zwischen dem vegetativen Wachstum des Weinstocks und seinen Erträgen, ohne zu viel unproduktives Holz zu bilden. Ohne Rebschnitt würde die Pflanze unkontrolliert wuchern, jeweils an den einjährigen Trieben neue Trauben bilden und von unten her verholzen. Wie der Rebschnitt vor sich geht, wird durch die Bodenbeschaffenheit (fruchtbare oder unfruchtbare Böden), die Rebsorte, der Erziehungsform (Einzelrebe, Pergola oder Rahmenwuchs) sowie klimatische Faktoren beeinflusst. Er wird im Winter vorgenommen.

Eine Triebausdünnung am Rebstock

Die Triebausdünnung ist sehr aufwändig und wird im Frühjahr vorgenommen, nachdem die Trauben und damit die Zweckmäßigkeit von Trieben bereits sichtbar sind. Sie spielt vor allem im ökologischen Weinbau eine Rolle. Die unerwünschten Triebe werden manuell entfernt, um eine zu große vegetative Belastung des Rebstocks zu vermeiden. 

Ein Triebspitzen-Schnitt am Rebstock

Beim Triebspitzen-Schnitt werden kurz vor der Blüte die oberen zehn bis 20 Zentimeter der jungen Triebe des Rebstocks abgeschnitten. Dabei wird deren oberste Wachstumszone entfernt, die sonst ständig neue Triebsegmente bilden würde. Der Triebspitzen-Schnitt fördert die Blütenbildung und die Entwicklung von guten Fruchtansätzen. Außerdem mindert er die Gefahr der Verrieselung, also der Abstoßung von ungewöhnlich großen Mengen an Blüten oder jungen Beeren. Er kann maschinell (bei Drahtrahmen-Erziehung) oder manuell erfolgen. 

Canopy Management (Baldachin-, Laub- oder Blattdach-Management)

Das Canopy Management geht maßgeblich auf den australischen Önologen Richard E. Smart zurück. Es handelt sich dabei um eine strikt wissenschaftliche Methode für den Weinanbau, bei der die Laub- und Bodenpflege nicht nur den Gegebenheiten eines bestimmten Weinbergs, sondern den mikroklimatischen Bedingungen der einzelnen Rebstöcke angepasst wird und somit völlig individuell erfolgt.