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Nachhall

Für Weinkenner ist der Nachhall (auch Abgang, Finish oder Finale) das wichtigste Kriterium, um die Gesamtqualität eines Weines zu bewerten. Ein langes Finale gilt als Ausweis für einen großen Wein, Weine mit einem kurzen Abgang wirken dagegen oft wässrig, dünn und hohl.

Beim Abgang geht es um die Nachhaltigkeit des Geschmackseindruckes, den ein Wein an Gaumen und Zunge hinterlässt. Daneben wird der Nachhall auch mit dem Geruchs- und Tastsinn wahrgenommen. Das Finale sorgt also für ein komplexes sinnliches Erlebnis, das übrigens auch wahrgenommen wird, wenn der Wein - wie bei professionellen Degustationen und Sensorik-Prüfungen üblich - nicht getrunken, sondern nach der Verkostung ausgespien wird.

Ein langer Abgang mit harmonischen Aromen

Bei der Dauer des Abgangs geht es um den Zeitraum, in dem die Aromen des Weines nachklingen und nach dem Schlucken (oder Ausspeien) sinnlich wahrgenommen werden können. Dieser Nachhall wird in Caudalie gemessen (von lateinisch "cauda" - Schweif) - jedes Caudalie steht für eine Nachhaltigkeitssekunde. Ein kurzer Abgang dauert eine bis fünf Sekunden und ist ein Zeichen für einen eher minderwertigen Wein, bei einem mittleren Abgang sind die Weinaromen zwischen sechs und zwölf Sekunden wahrnehmbar.

Bei allen länger anhaltenden Aromawahrnehmungen sprechen Weinexperten von einem langen Abgang. Ein Zeichen für hohe Qualität ist dieser allerdings nur dann, wenn die Aromen des Weines dabei ausgewogen und harmonisch wirken. Auch Weinfehler sind oft noch lange sensorisch wahrnehmbar, was - ausschließlich mit negativer Konnotation - als Nachgeschmack bezeichnet wird.

Menge und Zusammensetzung des Gesamtextrakts

Gute Weine haben einen Nachhall von 15 bis 20 Caudalies, Spitzenerzeugnisse erreichen bis zu 60 Caudalies. Ausschlaggebend für die Qualität und die ganz speziellen Aromen eines Weines sind die Menge und die Zusammensetzung des Gesamtextraktes. Dieser enthält rund 8.000 nichtflüchtige Substanzen, darunter Säuren, Mineralien und Spurenelemente, Gerbstoffe (Tannine und Phenole), Zucker und Pigmente. Ein hoher Anteil an Gesamtextrakt verleiht einem Wein in der Regel einen langen Nachhall.

Bei Rotweinen spielt hier die adstringierende Wirkung der Tannine eine besondere Rolle, bei Weißweinen beeinflusst ihr Säureanteil das Finale. Vor allem bei hochwertigen Weinen mit langer Flaschenreifungszeit sind die Geschmacks- und Aromastoffe in sogenannte Kolloide - winzige Extrakt-Partikel - eingebettet, die sich an Zunge und Gaumen nur langsam lösen und für ein besonders nachhaltiges sensorisches Erlebnis sorgen.