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Pinot Noir

Die historischen Wurzeln der Rebsorte Pinot Noir reichen bis in die Römerzeit zurück. Sie gilt als eine klassische Rebe der kühleren Weinregionen und wird in entsprechenden Lagen heute weltweit kultiviert. Die Pinot-Noir-Rebe stellt hohe Ansprüche an Bodenbeschaffenheit und Klima. In guten Lagen kann sie zur Grundlage von sehr komplexen Spitzenweine werden. 

Pinot Noir wird vor allem als trockener Rotwein ausgebaut, höhere Qualitäten sind oft Barrique-gereift. Außerdem sind die Pinot-Noir-Trauben eine der wichtigsten Grundlagen für Champagner. In eher geringem Umfang werden aus ihnen auch Rosé- oder Weißweine - die sogenannten \"Blanc de Noirs\" (Weißwein aus roten Trauben) - gekeltert. 

Geschichte und Herkunft vom Pinot Noir

Die Rebsorte Pinot Noir ist aus den Wildreben Westeuropas hervorgegangen. Von den Römern wurde sie unter dem Namen Vitis allobrogica kultiviert, sehr wahrscheinlich spielte sie auch im Weinbau der Gallier sowie der mitteleuropäischen Kelten eine Rolle. Nach Deutschland ist der Pinot Noir über das Rhonetal und durch die Burgundische Pforte in das Rheintal eingewandert. Kaiser Karl III. (\"Karl der Dicke\") brachte sie im Jahr 884 unter dem Namen \"Clävner\" an den Bodensee. Die mittelalterlichen Klöster in Ostfrankreich und Deutschland sorgten für seine weitere Verbreitung. 

Abstammung und Kreuzungspartner

Umfangreiche genetische Analysen der US-amerikanischen Biologin Carole Meredith bestätigten in den 1990er Jahren die Vermutung, dass der Pinot Noir in fast direkter Linie von einer wilden Rebe abstammt. Ihre Untersuchungen zeigen, dass sich die Pinot-Noir-Rebe von den in Südfrankreich vorherrschenden Rebsorten grundsätzlich unterscheidet, die ihren Ursprung vermutlich in antiken griechischen Reben haben. 

Die Pinot-Noir-Rebe wurde ihrerseits zum Ausgangspunkt verschiedener neuer Reben. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1998 weist nach, das aus Spontankreuzungen der Reben Pinot Noir und Gouais Blanc zahlreiche neue Rebsorten - darunter der Chardonnay und Gamay - entstanden sind. Im 20. Jahrhundert wurden aus der Pinot-Noir-Rebe auch gezielt neue Rebsorten gezüchtet. Ein Beispiel dafür ist die Sorte Pinotage, die 1925 aus einer Kreuzung von Pinot Noir und der südfranzösischen Rebsorte Cinsault entstanden ist. 

Aufgrund der starken Mutationsneigung der Rebe sind auch Pinot-Noir-Klone weit verbreitet, die - in der Regel ohne Qualitätsabstriche - im Vergleich zum ursprünglichen Pinot Noir jeweils spezifische Schwerpunkte im Hinblick auf Farbgebung und Aroma setzen. 

Anbaugebiete der Rebsorte Pinot Noir

Die Rebsorte Pinot Noir wird weltweit angebaut und spielt heute in allen klimatisch geeigneten Weinregionen eine Rolle. In Deutschland wachsen Pinot-Noir-Reben inzwischen auf einer Anbaufläche von rund 20.000 Hektar - seit den 1990er Jahren mit stark steigender Tendenz. Die größten Anbauflächen finden sich in Baden (5.600 Hektar), der Pfalz (1.600 Hektar) und Rheinhessen (1.300 Hektar). Im Zuge dieser Entwicklung hat sich die Qualität der deutschen Pinot Noirs deutlich verbessert, die heute je nach Lage auch mit französischen Spitzenweinen aus dieser Rebe mithält. 
In zehn der 13 deutschen Weinregionen zählt die Pinot-Noir-Rebe zu den Classic-Sorten. 

Ampelografie

Die Triebspitze des Pinot Noir ist stark wollig und hellgrün-gelblich. Das junge Blatt ist hellgrün, leicht bronziert, mit schwach wolliger Unterseite. Das ausgewachsene Blatt ist fünfeckig, drei bis schwach fünflappig und wenig gebuchtet. Es weist breit keilförmige Mittellappen auf, ist mittelgroß, dunkelgrün mit hellgrünen Nerven, stumpf gezähntem Blattrand, v-förmiger Stielbucht und in seiner Oberflächenstruktur rau bis blasig. Die Blattunterseite ist schwachwollig, mit zum Teil beborsteten Nerven. Die Trauben sind je nach Typ kompakt bis locker, walzenförmig, klein bis mittelgroß und nur selten geschultert. Die Beere ist dunkelblau, rund bis oval, dünnhäutig und beduftet. Das Beerenfleisch ist saftig und im Geschmack dezent befruchtet. 

Erträge

Die Erträge der Pinot-Noir-Rebe liegen meist allenfalls im mittleren Bereich, was der Sensibilität dieser Sorte im Hinblick auf Bodenbeschaffenheit und klimatische Bedingungen geschuldet ist. Zudem tendiert diese Rebsorte dazu, kurz nach der Blüte einen Großteil ihrer Trauben abzuwerfen - ein Vorgang, der im Französischen \"coulure\" genannt wird. Vergleichsweise geringe Erträge werden durch die Qualität des Weins jedoch mehr als kompensiert. Generell gilt: Ein Pinot-Noir-Spitzenwein ist oft ein Resultat der Kombination aus geringem Ertrag, hohem Reifegrad der Trauben sowie alten Reben. 

Ansprüche an Lage und Boden, Terroir

Die Pinot-Noir-Rebe stellt hohe Ansprüche an Lage und Boden. Optimal sind Standorte mit guter Durchlüftung sowie tiefgründigen, leicht erwärmbaren und wasserreichen Böden. Die Rebsorte Pinot Noir bevorzugt ein kühles Klima, reagiert jedoch auf Trockenheit empfindlich. Kühle Temperaturen bedingen unter anderem eine längere Reifephase, was die Ausprägung von Spitzenqualitäten unterstützt. Die Kehrseite der langen Reife besteht in einer erhöhten Anfälligkeit für den echten und falschen Mehltau, Rohfäule sowie den Befall mit Viren. Außerdem kann es zu Chlorose - einer Blattschädigung durch Mineralstoffmangel - kommen. 

Charakteristik

Gute Pinot-Noir-Weine haben ein vollmundiges, fruchtiges Aroma, oft mit einer leichten Mandelnote. Typisch ist der Duft nach roten Früchten - Brombeere, Kirsche, Erdbeere, Schwarze Johannisbeere. Bei im Barrique-Fass ausgebauten Weinen gesellen sich hierzu auch dezente Vanille-Zimt-Aromen. 

Traditionelle Pinot Noirs sind gerbstoffarm und zeigen eine wenig intensive rostrote Farbe, daneben gewinnen auch moderne Varianten mit mehr Gerbstoff und intensiverer Färbung immer stärker an Bedeutung. 

Synonyme

Für die Rebsorte Pinot Noir existiert eine Vielzahl an Synonymen. Im deutschsprachigen Raum heißt sie auch Spät- oder Blauburgunder. Weitere deutsche Synonyme sind beispielsweise Clevner, Blauer Silvaner, Blauer oder Schwarzer Traminer sowie Schwarzburgunder. 

Speisepaarung

Klassische Pinot Noirs sind ideale \"Winterweine\". Am besten passen sie - chambriert auf eine Temperatur von 16 bis 18 Grad Celsius - zu deftigen Braten, Wild oder auch einer Käseplatte. Die \"Blanc de Noirs\" eignen sich als Aperitif sowie zu Vorspeisen oder weißem Fleisch.