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Roséwein

Die wachsende Beliebtheit von Roséwein schlägt sich auch in der Statistik nieder: Kamen Rosés noch vor einigen Jahren auf gerade einmal zwei Prozent Marktanteil, so sind es mittlerweile immerhin acht Prozent. Der im Vergleich zu Weiß- und Rotwein immer noch geringen Verbreitung ist allerdings auch ein Irrglaube geschuldet, der sich hartnäckig hält. Viele Menschen, die sich nicht tagtäglich mit Wein beschäftigen, meinen, Rosé entstünde einfach durch Mischen von Rot- und Weißwein. Das ist allerdings völlig falsch. Zumindest jeder europäische Winzer, der auf sich hält, würde von dieser Methode empört Abstand nehmen. Aus diesem Grund ist auch eine EU-Gesetzesvorlage, die das Verfahren erlaubt hätte, nach heftigen Protesten gescheitert. Lediglich zur Herstellung von Roséschaumweinen darf gemischt werden. Außerhalb Europas hingegen werden zumindest billigste Rosés tatsächlich aus Rot- und Weißwein zusammengemischt. 


Echter Roséwein: die Farbe hängt von der Herstellung ab

Die Wahrheit ist: Roséweine werden aus Rotweintrauben gekeltert und danach wie Weißwein vergoren. Dabei gibt es verschiedene Methoden, die sich ein wenig unterscheiden – und am Ende über den Farbton entscheiden. Werden die roten Trauben unzerkleinert gekeltert, nur schwach abgepresst und der Most anschließend ohne Schalen vergoren, ergibt das einen sehr hellen Rosé, das Aroma ist zart und delikat. Werden die Trauben erst nach zwei bis drei Tagen auf der Maische abgepresst, bekommt der Wein von den Beerenhäuten eine kräftigere, himbeerrote Farbe und schmeckt intensiver. Je länger die dunklen Beerenhäute im Most verbleiben, umso stärker färben sie den Wein. 

Der intensivste Rosé kommt aus Frankreich und wird nach der Saignée-Methode hergestellt. Dabei wird aus dem Gärbehälter für Rotwein nach 12–48 Stunden ein Teil des Mostes ohne Pressung abgezogen und anschließend als Rosé vinifiziert. Dadurch erhält der im Behälter verbleibende Rotwein gleichzeitig eine höhere Konzentration, da der Anteil der Farbstoffe und Tannine aus den Beerenhäute in der Maische steigt. Der mittels Saignée-Methode erzeugte Rosé ist somit zwar quasi ein Nebenprodukt der Rotweinherstellung, was seiner Qualität jedoch keinen Abbruch tut: Der Tavel, aus der Gegend von Avignon stammend, wird im Saignée-Verfahren gewonnen und gilt vielen als der beste Rosé überhaupt. 

In Ansätzen stimmt die Sache mit dem Vermischen von Rot und Weiß allerdings auch für Europa. Der Rotling, regional auch als Schillerwein oder Schieler bekannt, wird aus roten und weißen Trauben bereitet, die jedoch bereits zusammen gekeltert werden. Weiße Rebsorten, die so beigemischt werden, sind beispielsweise Riesling oder Grauburgunder. Allerdings darf ein Rotling oder Schieler niemals als Rosé bezeichnet werden!

 

Rebsorten in Roséweinen

Regional werden zahlreiche verschiedene rote Sorten für die Herstellung von Rosé verwendet. Folgende Rebsorten sind im besonderen Maße bedeutend für die Produktion:

  • Spätburgunder: Roséwein aus Deutschland wird zum großen Teil aus Spätburgunder hergestellt. Werden die Weine reinsortig ausgebaut und stammen aus einer einzigen Lage, werden sie meist als „Weißherbst“ angeboten.
  • Cabernet: Zur Herstellung von französischen Roséweinen werden im Bordeaux-Gebiet vor allem Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon verwendet, aber auch in der neuen Welt sind diese Sorten sehr verbreitet.
  • Cinsault: Die Cinsault-Traube ergibt vor allem im Süden Frankreichs zusammen mit weiteren Rebsorten zart duftende und fruchtige Roséweine.
  • Grenache: Die Sorte wird vor allem für die Bereitung von spanischen Roséwein  und in Südfrankreich verwendet.
  • Tempranillo: Die Sorte ist vor allem im Rioja das, was der Cabernet um Bordeaux ist und wird als Rosé auch gern reinsortig ausgebaut.
  • Zinfandel: Die Sorte findet vor allem in Kalifornien Verwendung, entsprechende Weine werden dort als „White Zinfandel“ oder „Blush Zinfandel“ bezeichnet.
  • Sangiovese: Italienische Roséweine aus der Toskana kommen ohne diese Sorte selten aus.


Rosé passt vor allem im Sommer gut gekühlt besonders gut zu leichten Speisen wie Salaten, Tapas, Antipasti oder auch zu Fisch. In aller Regel haben Rosés kein Alterungspotenzial und sollten jung getrunken werden. Eine Ausnahme ist der oben erwähnte Tavel, der auch einige Jahre auf der Flasche reifen kann.