A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Tafelwein

Die Bezeichnung \"Tafelwein\" galt früher für die niedrigste Qualitätsstufe eines Weins - in der deutschen Sprache eigentlich ein Paradox, beschreibt \"Tafel\" doch eher eine gehobene Esskultur. Synonyme in anderen Ländern sind: Vino da Tavola (Italien), Vin de Table (Frankreich), Vino de la Mesa (Spanien). Tafelweine unterliegen keiner speziellen Qualitätsprüfung und auch keiner Höchstgrenze beim Ertrag pro Hektar.
 
Für diese Gattung - bezogen auf Deutschland - dürfen mittlerweile Weintrauben aus ganz Europa verarbeitet werden, allerdings unter der Bedingung, dass die Trauben von anerkannten, zugelassenen Rebsorten stammen. Auch ist es ausdrücklich erlaubt, vor oder während der Gärung Zucker zuzusetzen, um den Alkoholgehalt zu erhöhen. Für Tafelwein ist ein Mindestgehalt von 8,5 % vol. und eine Obergrenze von 15 % vol. vorgeschrieben.

Der Begriff \"Tafelwein\" ist allerdings Vergangenheit


Mit der Weinmarktverordnung des Jahres 2009 hat die EU den Begriff abgeschafft und schlicht durch \"Wein\" ersetzt. In Deutschland gilt seitdem die Bezeichnung \"Deutscher Wein ohne Herkunftsbezeichnung\". Stammt der Wein aber von einer Rebsorte und kommen die Trauben nur aus einem Land, kann dies auf dem Etikett angegeben werden - etwa \"Deutscher Wein - Müller-Thurgau\" oder \"Wein aus Deutschland\". Billige Tropfen können dadurch aufgewertet werden, ohne dass der Verbraucher dies auf den ersten Blick erkennt. Letztendlich hilft nur Probieren und Aussortieren.

Qualität von Tafelweinen kann sehr unterschiedlich sein


Tafelweine sind nicht zwingend von minderer Qualität. Französischer Vin de Table kann durchaus einiges an Delikatesse mitbringen. Gleiches gilt für Italien, wo mehr als die Hälfte der erzeugten Wein den Titel Vino da Tavola tragen. Als extremes Beispiel für die mögliche Qualität eines Tafelweins sei der toskanische Rotwein Tignanello aus dem Chianti-Gebiet genannt. Weil der Erzeuger auf den vorgeschriebenen Weißweinanteil verzichtete und damit gegen die italienischen DOC-Regeln verstieß, durfte der Wein nur als Vino da Tavola angeboten werden. Kenner aber wissen, dass der Tignanello zu den absoluten Top-Weinen Italiens gehört - und in der entsprechenden Preisklasse angesiedelt ist.