A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Veltliner

Veltliner ist eine Sammelbezeichnung für mehrere Weißweinsorten, die vor allem in Österreich und seinen Nachbarländern eine Rolle spielen. Die bekannteste und verbreitetste Variante ist der Grüne Veltliner, daneben gibt es den Roten und den Frühroten Veltliner. Die drei Rebsorten sind untereinander nicht verwandt.

Geschichte und Herkunft

Alle drei Veltliner-Varianten sind österreichische autochthone Reben, deren Herkunft weitgehend im Dunkeln liegt. Über ihre Geschichte kursieren in Österreich recht unterschiedliche Versionen.

Abstammung und Kreuzungspartner

Die Rebsorte Grüner Veltliner ist aus einer natürlichen Kreuzung aus Traminer und St. Georgen hervorgegangen. Die St.Georgen-Rebe wurde 2003 in einem Weingarten des gleichnamigen Ortes im Burgenland gefunden und 2005 als Mutterrebe des Grünen Veltliners identifiziert. Gezielte Kreuzungen des Grünen Veltliners gibt es bisher nicht, mit gezielten Selektionen wurde erst in den 1920er Jahren begonnen.

Der Rote Veltliner kam ursprünglich in vielen Varianten vor und wurde in seiner heutigen Form aus diesen selektiert. Er ist ein natürlicher Kreuzungspartner der Rebsorten Neuburger, Rotgipfler und Zierfandler.

Der Frührote Veltliner ist eine natürliche Kreuzung aus Rotem Veltliner. In Österreich wird er auch als Malvasier bezeichnet, hat mit den südeuropäischen Weinen der Malvasia-Gruppe jedoch nichts zu tun.

Anbaugebiete

Der Grüne Veltliner ist die dominierende Weinsorte in Österreich und wird vor allem in Niederösterreich und im Burgenland auf insgesamt 13.518 Hektar angebaut. Kleinere Bestände gibt es in verschiedenen mitteleuropäischen Ländern sowie in Übersee.

Roter Veltliner wird fast ausschließlich in Niederösterreich auf einer Fläche von 194 Hektar angebaut, kleinere Anbauflächen finden sich in Ungarn, Kroatien und der Slowakei.

Der Frührote Veltliner oder Malvasier wird in Österreich auf 424 Hektar angebaut, die hauptsächlich in Niederösterreich liegen. Außerhalb Österreichs ist der Malvasier bedeutungslos.

Ampelografie

Das Blatt des Grünen Veltliners ist mittelgroß, fünfeckig bis kreisförmig und fünf- bis siebenlappig. Die starke weißwollige Behaarung der Triebspitze ist sortentypisch. Die Trauben sind mittel- bis sehr groß, kegelförmig, mitteldicht und geschultert. Die großen Beeren sind rundlich bis oval und zeigen auf der Sonnenseite eine grün- bis fuchsiggelbe Färbung. Der Grüne Veltliner hat eine mittlere Reifezeit.

Das Blatt der Rebsorte Roter Veltliner ist groß, fünflappig und tief gebuchtet. Die Triebspitze ist wollig behaart und rötlich. Seine sehr dichtbeerigen Trauben sind mittelgroß bis groß und kegelförmig. Die Beeren weisen eine grüngelbe bis fleischrote Farbe auf, sind dickschalig und reifen ungleichmäßig. Der Rote Veltliner hat eine mittlere bis späte Reifezeit.

Das Blatt des Frühroten Veltliners ist keilförmig bis fünfeckig und drei- bis fünflappig. Die Stielbucht ist nur leicht geöffnet, die Hauptnerven bis zur ersten Aderverzweigung rot gefärbt. Die Trauben sind groß, dichtbeerig, zylindrisch und geschultert. Die Beeren sind von neutralem Geschmack, elliptisch und rosarot gefärbt. Der Malvasier gehört zu den Rebsorten mit früher Reifezeit.

Erträge

Die Rebsorten Grüner Veltliner und Roter Veltliner sind sehr ertragreich. Inzwischen haben Ertragsreduzierungen zu deutlichen Qualitätsverbesserungen geführt. Der Malvasier liefert von Natur aus mittlere Erträge.

Ansprüche an Lage und Boden, Terroir

Die Rebsorten Grüner Veltliner und Roter Veltliner gedeihen besonders gut auf tiefgründigen Lößböden. Beide Reben sind in der Blütephase sehr sensibel. Grüner Veltliner verträgt keine Trockenheit und ist anfällig für die Weinkrankheiten Peronospora (Falscher Mehltau), Roter Brenner und Chlorophyllmangel (Chlorose). Roter Veltliner ist frostempfindlich und zeigt eine starke Anfälligkeit für Botrytis (Grauschimmelfäule, Edelfäule) sowie Peronospora. Der Malvasier ist bis auf seine Frostempfindlichkeit sehr anspruchslos und verträgt auch Lagen mit mageren oder mittleren Böden.

Charakteristik

Grünen Veltliner gibt es in einem Spektrum von leichten, säurebetonten Weinen bis zu hochreifen Prädikatsweinen. Typische Aromen sind Noten von Zitrusfrüchten, Steinobst, aber auch Tabak oder weißem Pfeffer. Das hervorstechende Merkmal hochwertiger Grüner Veltliner ist ihre große Frische.

Hochwertiger Roter Veltliner ist im Vergleich zum Grünen Veltliner komplexer und extraktreicher. Er verfügt über eine ausgewogene Säurestruktur und feinwürzige Aromen. Oft ist er recht lange lagerfähig.

Der Malvasier ist ein klassischer Primeur- oder Schankwein. Er ist sehr früh trinkbar, hat einen geringen Alkoholgehalt, nur wenig Säure und ein herb-aromatisches Bouquet mit Blüten- oder Bittermandel-Noten.

Synonyme

Synonyme für die Veltliner-Weine gibt es in großer Anzahl. Heute noch geläufige Bezeichnungen für den Grünen Veltliner sind Weißgipfler oder Grüner Muskateller. Roter Veltliner wird auch als Rotgipfler, Roter Riesling oder Roter Muskateller bezeichnet. Synonyme für den Frühroten Veltliner sind vor allem die Begriffe Malvasier sowie Frühroter oder Roter Malvasier. In einigen Gegenden heißt er Rote Babo-Traube.

Speisepaarung

Alle drei Veltliner-Sorten eigenen sich vor allem als Begleiter zu leichten Speisen - Salaten, kalten Vorspeisen, Käse, schmecken aber auch zu nicht zu herzhaften Fleischgerichten.