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Viognier

Viognier ist eine französische weiße Rebe, die ebenso selten wie ungewöhnlich ist. Der bekannteste Vertreter der aus ihr gekelterten Weine ist der Condrieu. Der reinsortige Weißwein stammt aus der gleichnamigen Appellation in der nördlichen Rhone-Weinregion, er zählt zu den hochwertigen Exoten unter Frankreichs Weinen. 

Revitalisierung des Viognier seit den 1980er Jahren

In Frankreich wird diese Rebsorte seit über 400 Jahren kultiviert. Im Jahr 2004 belegten französische und US-amerikanische Önologen durch DNA-Analysen ihre genetische Verwandtschaft mit der italienischen Freisa-Rebe. Gegen Ende der 1960er Jahre war der Viognier fast vom Aussterben bedroht - in ganz Frankreich wuchs er seinerzeit noch auf einer Anbaufläche von 14 Hektar. Durch die Renaissance der Rhone-Weine in den 1980er Jahren fand auch diese Rebe wieder stärkeres Interesse.

Heute wird sie in Frankreich vor allem im Département Ardèche sowie in der Region Languedoc-Roussillon auf einer Rebfläche von über 4.000 Hektar kultiviert. Größere Bestände gibt es außerdem in Kalifornien, Australien, Chile und Neuseeland. Die aus ihr erzeugten Weine finden vor allem im Rahmen von Cuvées Verwendung und sollen dort für Fülle und Exotik sorgen. Reinsortige Viogniers sind bisher selten, zumal es nicht einfach ist, diese Weine in hoher Qualität zu produzieren. 

Die Herstellung eines hochwertigen Viogniers erfordert von den Winzern Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Arbeit. Zwar liefert diese Rebsorte von Natur aus eher geringe Erträge - trotzdem sind Ertragsreduktionen nötig, um ein hochwertiges Ergebnis zu erzielen. In der Rhone-Region sind die Erträge auf maximal 30 Hektoliter pro Hektar limitiert.

Reiche Bouquets, komplexe Fruchtaromen und florale Noten

Mit einem Alkoholanteil von 13,5 bis 14,5 Volumenprozent sind Viogniers recht alkoholreich. Ihre hochwertigen Vertreter bringen reiche und tiefgründige Bouquets hervor, die unter anderen aromatischen Weinen ihresgleichen suchen. Zu ihren charakteristischen Aromen gehören Aprikosen-, Pfirsich- oder Mango-Noten, auch florale und mineralische Nuancen kommen vor. Das wesentliche Merkmal guter Viogniers ist ihre Cremigkeit, die sich mit hohem Extrakt und sehr zurückhaltender Säure paaren.

Sie sollten jung getrunken werden, da sie während der Lagerung sowohl ihre Aromenvielfalt als auch ihre Säure schnell verlieren. Spitzengewächse, die in ihrer Komplexität und Expressivität durchaus mit dem Condrieu vergleichbar sind, wurden in jüngster Zeit vor allem in Kalifornien erzeugt. Mindere Qualitäten dieser Weine wirken entweder stumpf und alkoholdominiert oder - aufgrund viel zu hoher Erträge - dünn und läppisch.