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Washington

Der US-Bundestaat Washington gilt nach Kalifornien als zweitgrößtes Weinanbaugebiet der USA. Er liegt an der amerikanischen Pazifikküste, im Norden grenzt er an Kanada, im Westen an Idaho und im Süden an Oregon, das sich in den letzten 50 Jahren ebenfalls zu einer bedeutsamen Weinregion entwickelt hat. Einige regionale Appellationen verfügen über Weinanbauflächen in Washington und Oregon.

Geschichte des Weinbaus in Washington

Die Besiedlung von Washington durch weiße Amerikaner begann im Jahr 1810. Die ersten Weine der Region wurden 1825 von der kanadischen Hudson´s Bay Company in der Nähe von Fort Vancouver gekeltert. Einwanderer aus Deutschland, Frankreich und Italien sorgten bald für die Etablierung des Weinbaus im gesamten Bundesstaat. Bis zum Beginn der 1960er Jahre spielte die kommerzielle Weinproduktion in Washington jedoch so gut wie keine Rolle. Der US-Staat hatte sich zunächst als Obsterzeuger profiliert, die vorherrschende rote Rebsorte Concord - eine Mutation der Wildrebe Vitis labrusca - wurde vorwiegend als Tafeltraube angebaut.

Im Jahr 1960 gab es im gesamten Washington State nur zwei Weingüter, inzwischen ist ihre Zahl auf etwa 550 angewachsen. Anfangs wurden die kommerziellen Weine der Region fast ausschließlich aus der Concord-Rebe erzeugt. Die Wende brachte der russisch-amerikanische \"Önologie-Papst\" André Tchelistcheff (1901 bis 1994), der versuchsweise Gewürztraminer kultivierte, aus dessen Trauben ein Spitzenwein entstand. Heute sind in der Region über 20 Rebsorten heimisch, die überwiegend europäischen Ursprungs sind und oft zur Grundlage sehr hochwertiger Weine werden.
Wein aus Washington ist meist ein sogenannter \"Varietal\" oder \"Varietal Wine\", der in den USA zu mindestens 75 Prozent aus einer Rebsorte gekeltert werden muss.

 Weinanbau-AVAs in Washington State

Das US-amerikanische Recht weist jedem Bundesstaat und jedem County (Verwaltungsbezirk) von vornherein den Status einer geschützten Herkunftsbezeichnung zu, die keiner speziellen Anerkennung durch das \"Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives\" bedarf. Seit dem Ende der 1970er Jahre wurden die Weinbaugebiete der USA in sogenannte AVAs (American Viticultural Areas, Approved Viticultural Areas) unterteilt. Die Voraussetzung für die Zuweisung des AVA-Status ist eine behördliche Überprüfung, für welche Rebsorten eine bestimmte Region besonders gut geeignet ist. Das System entspricht der französischen Appellation d´Origine Protegée, spielt für die Weinvermarktung in den USA bisher jedoch nur eine marginale Rolle.

In Washington State gibt es heute neun anerkannte AVAs: Columbia George, Columbia Valley und Walla Walla Valley (jeweils mit einer Ausdehnung bis nach Oregon), Horse Heaven Hills, Rattlesnake Hills, Red Mountain, Puget Sound, Wahluke Snope und Yakima Valley. Die wichtigsten AVA-Regionen sind Columbia Valley (mit fast 60 Prozent der Gesamtrebfläche des Bundesstaates), Walla Walla und Yakima Valley. Yakima war 1983 die erste anerkannte Appellation Washingtons. Die Gesamtanbaufläche für Kelterwein belief sich 2006 auf 12.400 Hektar, dürfte sich seitdem jedoch vergrößert haben. 

Klimatische Verhältnisse und Böden

Im westlichen Washington liegt die AVA Puget Sound mit ihrem milden, feuchten Meeresklima und halbdurchlässigen, gut drainierten Böden, in der sich jedoch nur ein Prozent der gesamten Rebfläche des Bundesstaates befinden. Aus Puget Sound kommen vor allem milde, fruchtige Weißweine, die aufgrund der nördlichen Lage vorwiegend von früh reifenden Rebsorten (Madeline Angevine, Madeline Sylvaner, Siegerrebe, Müller-Thurgau) stammen. Daneben werden auch speziell selektierte Klone von Grauburgunder (Pinot Gris) und Spätburgunder (Pinot Noir) kultiviert. Klimatisch entspricht Puget Sound mit trotz einiger scharfer Fröste milden Wintern der Muscadet-Weinregion um das westfranzösische Nantes.

Der östliche Teil von Washington ist das Zentrum des regionalen Weinbaus. Prägend ist hier ein kontinentales Klima mit heißen, trockenen Sommern und sehr kalten bis arktischen Wintern. Die dortigen Weinregionen sind durch die Cascade Mountains gegen das Meeresklima abgeschirmt. Die Weinberge werden in der Regel auf Süd- und Südwesthängen angelegt, um sie vor den rauen Wintern wenigstens in einem Mindestmaß zu schützen. Frost bleibt trotzdem ein Problem und vernichtet in jedem Winter einen Teil der Reben. Im Sommer muss ein Teil der Weinberge bewässert werden - beispielsweise belaufen sich die Niederschläge im Columbia Valley auf nur 200 Millimeter jährlich. Etwas günstiger sind die klimatischen Bedingungen im südöstlichen Walla Walla Valley, das zu den wärmeren und feuchteren Weinbauregionen in Washington gehört. Die Böden der östlichen Weinbaugebiete Washingtons sind nährstoffarm und sandig, was einen natürlichen Schutz gegen die Reblaus bietet. Die meisten Rebstöcke in Washington wachsen aus diesem Grund bis heute wurzelecht. Unter den Schwemmböden befindet sich größtenteils Basaltgestein, das für gute mineralische Bodenstrukturen sorgt.

Heiße Sommer, kühle Nächte - Standortvorteil für den Wein aus Washington

Ein Standortvorteil für den Wein aus dem kontinentalen Washington sind die heißen, sonnenreichen Sommer. Im Vergleich zum südlichen Kalifornien scheint die Sonne hier um bis zu zwei Stunden länger. Im Wechselspiel mit kühlen Nächten sorgen die langen Sonnenstunden für eine optimale Traubenreifung. Die hier erzeugten Weine zeichnen sich auch bei höherem Zuckeranteil durch natürliche Säure und reife, komplexe Fruchtaromen aus.

Die wichtigsten Rebsorten der Region

Die vorherrschende Rebsorte in Washington ist nach wie vor die Concord, die - vor allem als Tafeltraube sowie für Traubensaft - auf insgesamt 9.600 Hektar kultiviert wird. Die wichtigsten Rebsorten sind Merlot, Chardonnay, Riesling, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die Syrah-Rebe hat sich in Washington erst in den letzten Jahren in größerem Umfang etabliert - angebaut wird sie vor allem in der AVA Walla Walla. Ihre Trauben werden dort zum Ausgangsstoff ausladender und äußerst konzentrierter Weine.