A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Weinsprache

Die Weinsprache ist eine Fachsprache, bei der es darum geht, die geschmacklichen und sensorischen Eigenschaften von Weinen nachvollziehbar zu beschreiben. In ihrer ursprünglichen Form wird sie von Önologen, Sommeliers und anderen Weinexperten verwendet. Vor allem aus Marketinggründen hat sich daneben heute eine vereinfachte Weinsprache etabliert, die sich an Konsumenten ohne Expertenwissen wendet.

Wurzeln der heutigen Weinsprache

Einige Wurzeln der heutigen Weinsprache reichen bis in die griechische Antike, aus der etwa hundert weinsprachliche Begriffe überliefert sind - etwa 60 davon hat am Anfang des 19. Jahrhunderts der französische Chemiker Jean-Antoine Chaptal (1765 bis 1832) in die Moderne übertragen. Andere Weinbegriffe gehen auf adlige und bürgerliche Weingenießer und vor allem ihre Sommeliers zurück. Eine weitere Quelle der Weinsprache ist die stark an Dialekte und regionale Gegebenheiten gebundene traditionelle Winzersprache, in der neben weinbauliches und kellerwirtschaftlichem Wissen auch eine fast unüberschaubare Anzahl von Synonymen für Rebsorten und sensorische Empfindungen überliefert worden ist.

Önologische Weinsprache

Die önologische Weinsprache dient der Verständigung unter Weinexperten und zielt auf die präzise Beschreibung von sensorischen Eindrücken (Geschmack, Geruch, Farbe) zur Bewertung eines Weins. Zum Teil sind solche Bezeichnungen streng an eine bestimmte Wahrnehmung geknüpft: Möglicherweise zeigt ein Wein viel Säure, bittere Noten oder einen Geranienton. Mit letzterem ist in der Weinsprache ein Weinfehler gemeint, bei dem eine chemische Reaktion des Konservierungsmittels Sorbinsäure mit Milch- oder Essigsäurebakterien ranzig-erdige und bittere Aromanoten erzeugt, die an geriebene Geranienblätter erinnern.

Andere weniger exakte Begriffe dienen dazu, differenzierte Sinnesempfindungen in allgemein verständlicher Form zu beschreiben: Hochwertige Weine sollen einen \"harmonischen\" Charakter - also ein ausgewogenes Verhältnis von Säure, Alkohol und (bei Rotweinen) Gerbstoffen/Tanninen - haben. Wird ein Rotwein durch minderwertige Tannine dominiert, wirkt er sensorisch \"rau\", \"hart\" oder \"adstringierend\". Ein Wein mit ausgewogener Säure hat \"Struktur\" - er schmeckt \"knackig\" oder \"frisch\". Zuviel Säure macht Weine \"aggressiv\", zu wenig Säure \"weich\" und \"pappig\". Durch zu viel oder zu wenig Alkohol wirken sie jeweils \"brandig\" oder \"flach\". \"Finesse\" besitzt ein Wein dagegen dann, wenn alle diese Komponenten miteinander harmonieren. Ein \"reicher\" oder \"üppiger\" Wein überzeugt mit komplexen Aromen, sein Gegenstück schmeckt und riecht \"mager\" oder \"dürftig\".

Eine vereinfachte Weinsprache für das Marketing

Die önologische Weinsprache ist für Laien nicht in allen Facetten nachvollziehbar. Seit den 1990er Jahren hat sich in Deutschland deshalb eine vereinfachte Weinsprache herausgebildet, bei der es vor allem unter Marketingaspekten weniger um die Komplexität von Weinen, sondern um Verständlichkeit sowie das Erfüllen von Konsumentenerwartungen geht. In diese Kategorie fallen beispielsweise Weinbeschreibungen, die Obst-, Gewürz- und Gemüseanalogien oder Lifestyle-Aspekte in den Fokus stellen. Nicht zuletzt zeigt dieser Trend, dass hochwertiger Wein anders als in früheren Jahrzehnten heute ein Produkt geworden ist, das sich an breite Zielgruppen wendet.