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Zinfandel

Rebsorte Zinfandel

Die Rebsorte Zinfandel ist eine rote Rebe, die ursprünglich aus Südosteuropa stammt und mit der italienischen Primitivo-Rebe identisch ist. Heute wird sie vor allem in Kalifornien angebaut. Aus den Trauben der Zinfandel-Rebe werden auch Rosé-Weine sowie die sogenannten Blanc des Noirs - weißer Wein aus roten Trauben - hergestellt, der klassische Zinfandel ist jedoch ein kraftvoller, trockener Rotwein. Rote Zinfandel-Weine werden zum Teil sehr lange ausgebaut, sollten danach jedoch nur für vier bis acht Jahre gelagert werden.

Geschichte und Herkunft

Die Geschichte der Zinfandel-Rebe beginnt um 1825 in den USA. Zu diesem Zeitpunkt importierte der Rebschulen-Besitzer George Gibbs die sogenannte \"Kaiserliche Kollektion\" - eine Sammlung aller in Österreich-Ungarn bekannten Weinsorten - nach Long Island. Weinhistoriker vermuten, dass der Name Zinfandel das Resultat einer Namensverwechslung mit der autochthonen österreichischen Rebsorte \"Zierfandler\" ist, der mit dem Zinfandel jedoch nichts zu tun hat. Knapp hundert Jahre später gehörte die Zinfandel-Rebe zu den fünf wichtigsten Rebsorten in den USA. Aufgrund ihrer Bedeutung und der aus ihr erzeugten Weine wird sie heute als Edelrebe eingestuft.

Abstammung und Kreuzungspartner

In den 1960er Jahren verglich der US-amerikanische Pflanzenpathologe Austin Goheen die Zinfandel-Rebe und die italienische Primitive-Rebe, aufgrund ihrer äußeren Merkmale vermutete er, dass beide Rebsorten identisch sind. Den endgültigen Beleg dafür erbrachte die kalifornische Önologin Caroline Meredith durch eine DNA-Analyse im Jahr 1999. In der alten kroatischen Weinsorte Crljenak fand Meredith eine weitere identische Rebe. Der Crljenak stammt aus dem Grenzgebiet zwischen Kroatien und Ungarn und wird in Kroatien bis heute angebaut. Neuzüchtungen aus Zinfandel- oder Primitivo-Reben spielen im Weinbau bisher kaum eine Rolle. Aus einer Kreuzung des Crljenak und der Dobricic-Rebe ist in Kroatien die Rebsorte Plavac Mali entstanden.

Anbaugebiete

Die Zinfandel-Rebe wird hauptsächlich in Kalifornien angebaut und war mit einer Anbaufläche über 20.000 Hektar zeitweise die am häufigsten angebaute Rebsorte in den USA. Der italienische Primitivo wird vor allem in Manduria und Puglia in der Region Apulien angebaut. In den anderen europäischen Weinregionen mit Ausnahme von Kroatien ist die Zinfandel-Rebe bedeutungslos.

Ampelografie

Die Triebspitze des Zinfandel ist offen, stark wollig und an den Spitzen rötlich. Die Jungblätter sind anfangs spinnwebig behaart, um danach fast unbehaart zu sein. Die mittelgroßen, dunkelgrünen Blätter sind rundlich, im ausgewachsenen Zustand meist fünflappig - vereinzelt kommen auch sieben- oder neunlappige Varianten vor - spitz gesägt und tief gebuchtet. Die Blattoberfläche ist leicht blasig, die Stielbucht lyraförmig offen. Die Trauben sind walzen- bis konusförmig, geschultert, mittelgroß, dichtbeerig und sehr schlank. Die rundlichen Beeren sind mittelgroß bis groß, in reifem Zustand von blauschwarzer Farbe und besitzen eine mäßig dicke Schalen. Sie sind saftig, ihr Aroma ist neutral.

Erträge

Die Zinfandel-Rebe ist eine ertragreiche Sorte, deren Trauben je nach Reifegrad auch hohe Mostgewichte und entsprechend hohe Alkoholwerte in den aus ihr gekelterten Weinen liefern.
Deshalb galt Zinfandel anfangs als eine Rebsorte für günstige Massenweine. Viele Winzereien setzen heute jedoch auf Ertragsreduzierungen und höhere Qualität.

Ansprüche an Lage und Boden, Terroir

Die Ansprüche der Zinfandel-Rebe sind relativ gering - am besten gedeiht sie auf kargen und gut drainierten Böden, verträgt jedoch keine ausgeprägte Trockenheit. Ideal sind nicht zu heiße und zu sonnenreiche Lagen. Sehr wichtig ist bei dieser Rebsorte der richtige Zeitpunkt für die Lese, da die Vollreife der Beeren sehr schnell in Überreife umschlägt. Die Zinfandel-Rebe ist anfällig für Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule, Edelfäule), die in Kombination mit überreifen Beeren selbst in kleinen Anteilen zu einem starken Qualitätsverlust des Weines führt. Falls sich Zinfandel-Reben mit der durch Fadenwürmer übertragenen Reisigkrankheit infizieren, ist der Ernteausfall im Vergleich zu anderen Rebsorten im Mittel stärker.

Charakteristik

Typische Zinfandel-Rotweine sind von rubinroter Farbe. In ihren charakteristischen Duftaromen kommen Gewürznoten - schwarzer Pfeffer, Nelken, Zimt - sowie leicht metallische Brombeertöne zum Tragen.

Synonyme

Die Synonyme für die Zinfandel-Rebe unterscheiden sich regional. Die Amerikaner nennen sie oft einfach Zin, in Italien heißt der Primitivo auch Gioia del Colle, Taranto, Primaticcio oder Primitivo Nero. In Kroatien kommen die Bezeichnungen Crljenak kastelanski oder Plavac Veliki vor.

Speisepaarung

Zinfandel-Rotweine passen zu Fleischgerichten und anderen deftigen Speisen. Wenn diese wenig Salz enthalten, unterstreichen sie damit die Struktur des Weins. Auch mit süßen Desserts harmonieren sie ausgezeichnet. Weiße oder Rosé-Zinfandels sind leichte, aber aromatische Begleiter zu Fisch, Meeresfrüchten, Pasta oder vegetarischen Gerichten.